Eine Fassade, die neugierig macht

Wer die Margaretenstraße im fünften Bezirk entlanggeht, übersieht das Haas Beisl leicht, und doch fällt die markante Fassade auf. Hinter ihr liegt ein kleines Wirtshaus für rund 50 Gäste. Drinnen warten eine alte Schank und gepolsterte Bänke. An den Wänden hängen alte Lampen, Pokale und Poster, und der Raum wirkt, als hätte ihn seit Jahrzehnten kaum jemand angerührt.

Von Karall zu Haas

Die Geschichte des Hauses ist eine Familiengeschichte. Nach einer Darstellung wurde das Lokal 1899 eröffnet und 1935 von Anton Karall gekauft. Die Tochter Ingeborg führte es später mit ihrem Mann Georg Haas weiter, seither trägt es den Namen Haas Beisl. 1990 stieg Sohn Georg Haas junior ein. Anfang 2012 war nach mehr als 70 Jahren Schluss mit dem Familienbetrieb: Haubenkoch Christian Tischler und Gastronom Gerald Schedl übernahmen. Schedl betreibt auch das Gösserbräu in Ottakring.

Innereien als Markenzeichen

Die neuen Wirte wollten nichts umkrempeln, im Gegenteil. Gekocht wird Wiener Wirtshausküche nach alten Rezepten, mit Zutaten von Bauern aus der Region. Einer Köchin zufolge kommen diese Bauern „oft auch zu uns ins Beisl essen“. Besonders bekannt ist das Haas Beisl für seine Innereien. Auf der Karte stehen unter anderem Kalbsbries, gebackene Kalbsleber und Kalbsrahmbeuscherl. Die Kochgenossen lobten außerdem das „Katzengschroa“, ein Ragout aus Schweinefleisch, Leber und Nieren. Daneben gibt es die Klassiker: Tafelspitz, Zwiebelrostbraten und Blunzngröstl.

Kalb oder Schwein?

Wer Zeit und Appetit mitbringt, kann hier eine alte Wiener Streitfrage selbst klären. Kalbs- und Schweinsschnitzel werden nebeneinander angeboten. Bei den Kochgenossen gewann im direkten Vergleich überraschend das Schweinsschnitzel. Das Kalbsschnitzel kostet laut aktueller Karte 26,90 Euro, das Rindsgulasch 17,90 Euro.

Wein, Mittagsmenü und Gäste

  • Wein: Die Auswahl an österreichischen Weinen ist groß, teils mit Jahrgangstiefe.
  • Mittag: Unter der Woche gibt es ein Mittagsmenü mit Suppe und Hauptspeise.
  • Draußen: Der Schanigarten bietet Platz für rund zwölf Personen und liegt direkt an der verkehrsreichen Straße.

Das Publikum ist gemischt. Zum Grätzel kommen Touristen, die sich laut Küche über ein Beisl in dieser Form freuen. Ein Gast bemerkt, dass es durch die enge Bestuhlung ziemlich laut werden kann. Die Portionen nennt er reichlich und die Preise fair. Bei so wenig Platz empfiehlt sich eine Reservierung.

Warum das Beisl bleibt

Das Haas Beisl ist weder Museum noch Szenelokal. Es zeigt, wie ein Wirtshaus funktioniert, das seine Tradition ernst nimmt, ohne sie zu übertreiben: mit Stammtisch-Gefühl, ehrlicher Küche und einer Karte, die den Jahreszeiten folgt. Wer in Wien noch ein Beisl sucht, in dem Hirn und Nierndln selbstverständlich sind, ist hier richtig.

Haas Beisl, Margaretenstraße 74, 1050 Wien. Reservierung telefonisch unter 01/586 25 52.

Quellen: www.falter.at, www.meinbezirk.at, kochgenossen.com, gastro.news, www.haasbeisl.at, www.tripadvisor.com, haasbeisl.at