Ein Name wie ein Ortsschild

Wer in Wien-Brigittenau „Bin beim Kopp“ sagt, muss nichts erklären. Das Gasthaus an der Ecke Engerthstraße und Donaueschingenstraße ist für seine Stammgäste schlicht „der Kopp“. So steht es auch auf der Website des Hauses. Dort heißt es, der Betrieb werde seit den frühen 1960er-Jahren als Familienbetrieb geführt, inzwischen in dritter Generation. Er war zuerst Wirtshaus, später Gasthaus, und er sei immer bodenständig, gemütlich und ehrlich geblieben.

Bierwagen im Hauptraum

Im ersten Raum hängt laut Bier-Guide ein Gemälde. Darauf zieht ein Pferdegespann einen Schwechater Bierwagen vor die Gastwirtschaft von Franz Kopp. Das Bild dürfte aus der Gründerzeit des Hauses stammen. Es hat 80 Plätze im Lokal und 20 im Schanigarten. Die heutige Wirtin hat den Betrieb laut Yelp-Eintrag 1978 übernommen.

Schmäh ohne Schnörkel

Das Magazin „Kochgenossen“ beschreibt das Haus als alles andere als schick. Es rieche nach Beisl, und die Kellner pflegten einen mitunter derben Wiener Schmäh. Das Lokal ignoriere erfolgreich alle Gastro-Trends. Meist sei es voll mit Gästen aus allen Gesellschaftsschichten. Das passt zum Anspruch der Betreiber, wie die „Kochgenossen“ ihn wiedergeben. Gutes Essen für wenig Geld soll es geben, damit auch Menschen mit knapper Kasse satt werden.

Was auf den Tisch kommt

  • Schnitzel in mehreren Varianten, für die das Haus laut Bier-Guide berühmt ist
  • gekochtes Rindfleisch mit Spinat, das der Bier-Guide zu den besten Versionen der Stadt zählt
  • ein Angebot, das laut Eigendarstellung auf Wiener Küche und Hausmannskost setzt, mit großen Portionen

Auf der Website schreibt das Haus außerdem, es wolle regionalen Produzenten sowie Wein- und Bierherstellern eine Bühne bieten. So bleibe die persönliche Beziehung zwischen Gast und Wirt lebendig.

Nicht alle sind begeistert

Die Meinungen gehen auseinander. Auf Herold schwärmen Gäste vom Preis-Leistungs-Verhältnis und fühlen sich in die 1980er zurückversetzt. Eine Zusammenfassung der Online-Bewertungen auf Wanderboat erwähnt dagegen auch Kritik. Es geht um unfreundlichen Service, unerwartete Aufschläge und Barzahlung. Ein Nutzer auf restauranttester.at beklagt, das einst bodenständige Wirtshaus habe nachgelassen. Er stellt Küche und Fleischherkunft infrage. Ein anderer Beitrag dort nennt den Kopp dagegen eines der wenigen übrig gebliebenen echten Wiener Wirtshäuser.

Ein Stück Stadtidentität

„Das Gasthaus Kopp ist Teil der kulinarischen Identität der Stadt.“

So sieht sich das Haus selbst. Ob man das genauso sieht, ist Geschmackssache. Fest steht: Wo sich viele Wiener Beisln dem Zeitgeist angepasst haben oder zugesperrt wurden, hält der Kopp an seiner eigenen Linie fest. Wer nichts Feines sucht, sondern einen Platz zum Sattwerden, Schmähführen und Dazugehören, findet ihn dort. Mehr über das Haus steht auf der Website.

Quellen: www.gasthaus-kopp.at, kochgenossen.com, bier-guide.net, www.yelp.com, www.herold.at, www.restauranttester.at, wanderboat.ai